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Wie die Digitalisierung das Asset-Management verändert

Von Erik Marienfeldt, Geschäftsführer, HIH Real Estate GmbH

 

 

 

 

Obwohl die Digitalisierung das gesamte Berufsbild des Asset-Managers und damit das Geschäftsmodell der Unternehmen entscheidend verändern wird, befinden sich die immobilienwirtschaftlichen Asset-Management-Gesellschaften noch am Anfang der digitalen Entwicklung. Die Ergebnisse einer EY-Umfrage verdeutlichen dies: 40 Prozent der Asset-Manager sind noch in der Planungsphase, 43 Prozent konzentrieren sich auf einzelne Projekte und nur 17 Prozent gaben an, eine übergreifende digitale Strategie zu verfolgen. Ein häufiger Grund für Verzögerungen im Digitalisierungsprozess sind unklare personelle Zuständigkeiten, weshalb zunehmend „Digital Officer“ bei Asset-Managern eingestellt werden, um die erforderlichen Prozesse zu managen. Einig sind sich die Asset-Manager darin, dass die digitalen Technologien einen zentralen Einfluss auf ihr eigenes Geschäftsmodell haben werden. Eine deutliche Mehrheit der Umfrageteilnehmer gab an, das eigene Budget im Bereich Digitalisierung in den nächsten drei Jahren zu erhöhen, fast die Hälfte plant ein Jahresbudget von mehr als zehn Millionen Euro für das Thema Digitalisierung ein. Die Investitionen finden dabei zunächst vor allem im Bereich Reporting und Datenverwaltung statt. Digitalisierung im Asset-Management fokussiert dabei neben der noch am Anfang stehenden Integration von Smart-Gadgets wie zum Beispiel vernetzten digitalen Bauteilen zur Nutzungs-, Wartungs- und Kostenoptimierung im Wesentlichen auf das integrierte Datenmanagement von technischen, rechtlichen und betriebswirtschaftlichen Daten und die flexible Nutzung durch dezentrale beziehungsweise mobile Endgeräte mit entsprechenden webbasierten Oberflächen. Auch die Zusammenarbeit zwischen Asset-Managern und Mietern wird sich perspektivisch grundlegend verändern. Eine Schlüsselfunktion übernimmt dabei das universell konfigurierbare, webbasierte und mobil verfügbare Frontend, mit dem jeder Stakeholder rollenbasiert auf den zentralen Datenpool zugreift und Services mit dem selben Komfort wie bei einer Online-Pizzabestellung ordern kann. Zur Erreichung dieses Ziels sind aber bei allen Asset-Managern noch erhebliche Anstrengungen nötig. Nachdem inzwischen Speicher- und Rechnerkapazitäten in ausreichendem Umfang zu vertretbaren Kosten zur Verfügung stehen, ist die Branche jetzt dabei, ihre Prozesse digital und integral zu reorganisieren, da die derzeitigen Systembrüche das Haupthindernis zur digitalen Vollintegration darstellen. Entwicklungen wie künstliche Intelligenz (KI) können auf diesem Weg insbesondere bei der Einbeziehung heutzutage noch analoger Informationen helfen. Doch vom eingescannten Mietvertrag bis zum analysierten Dokument mit richtig kategorisierten und strukturierten Informationen ist es ein langer Weg. Zukünftig werden Asset-Manager weniger Ressourcen für die Datenerfassung und -strukturierung verwenden müssen und können mehr Zeit auf das eigentliche Immobilienmanagement verwenden. Das bedeutet, dass sie sich den Kernaufgaben der Objektanalyse sowie der Strategieentwicklung und -umsetzung widmen können. Marktbedingte Treiber der Digitalisierungsoffensive der Immobilien-Asset-Manager sind die Transaktionsbereiche An- und Verkauf sowie Vermietungen. Die verkürzte Haltedauer von Immobilien und die zunehmende Bedeutung von Internet-Vermietungsplattformen machen ein schnelleres Datenhandling erforderlich, was bei den mehreren Tausend Dokumenten eines Transaktionsdatenraumes digitale Werkzeuge erforderlich macht. Die digitalen Technologien stellen eine große Datenfülle in Echtzeit zur Verfügung. Die Herausforderung für die Asset-Manager nach der erfolgreichen Bewältigung der Erfassungs- und Strukturierungsaufgabe wird darin liegen, mit den daraus gewonnenen Informationen intelligent umzugehen. Dort werden sich die differenzierteren Geschäftsmodelle erst dann klar herausbilden, wenn die Technologie alttagstauglich verfügbar ist. Zudem wird sich die Kommunikation und Transparenz im Reporting verändern: Durch die Einrichtung von Plattformen wie webbasierten Business-Warehouses können die Investoren zukünftig den Cashflow, die Wertentwicklung, die Risikoposition, den Steuerstatus und die mittelfristige Planung der Immobilien im Internet detailliert und in Echtzeit verfolgen. Langfristig wird eine Standardisierung dieser Systeme für ein hohes Maß an Vergleichbarkeit sorgen und gleichzeitig flexibel die regulatorischen Spezialanforderungen der Kunden abdecken. Die langfristigen Folgen der digitalen Transformation sind zum heutigen Zeitpunkt noch nicht vollständig auszumachen – zum Beispiel, wie sich Blockchain-Technologien auf die Transaktionsprozesse auswirken werden. Für Asset-Management-Gesellschaften ist es umso wichtiger, bereits jetzt die für den Digitalisierungsprozess nötigen Kompetenzen in ihr Unternehmen zu integrieren, um ihre eigene Zukunftsfähigkeit zu sichern.